Dehesa de Abajo Sevilla

Die Dehesa de Abajo

Die Dehesa de Abajo liegt in La Puebla del Río (Sevilla) in Richtung El Rocío und dem Naturpark Doñana. Das 617 ha große Naturreservat mit seinen Lagunen, Kanälen und Reisfeldern lässt sich wunderbar zu Fuß, mit dem Fahrrad oder zu Pferd erkunden. Die reichhaltige Flora und Fauna dort ist einzigartig und vor allem im Zeitraum zwischen Februar und Mai besonders vielfältig. Nirgends sonst findet man so viele Vogelarten auf einem Fleck.

Naturfotografie in der Dehesa de Abajo

Bei der Lagune gibt es zwei Unterstände für die Vogelbeobachtung. Zu sehen gibt es dort u.a. Flamingos, Störche, Kierckenten, Blässhuhner, Zwergtaucher und viele andere (für die ich keine Übersetzung aus dem Spanischen gefunden habe).

In der Zone der Pinien und Weiden, wo auch Pferde und Rinder weiden, sieht man nicht selten Adler, Schwarzmilane, Rotmilane, Zwergadler, Mäusebussarde und Fischadler. Bei den wilden Olivenbäumen finden wir die größte Weißstorch-Kolonie Spaniens.

Auf unserem Streifzug durch das Naturreservat können wir auch, wenn auch nicht zu allen Tageszeiten, Füchse, Dachse und Ginsterkatzen sichten. Mehr und mehr breitet sich auch wieder der Iberische Luchs in der Dehesa aus. Dieses scheue Tier ist allerdings eher selten anzutreffen.

Voraussetzung ist natürlich ein Teleobjektiv mit entsprechender Brennweite. Bei meinem Besuch waren ca. 4.000 Flamingos in der Lagune (laut dem Vogelkundler im Besucherzentrum). Für mein Teleobjektiv mit (umgerechnet) 300 mm Brennweite waren die Flamingos allerdings nicht nahe genug am Rand der Lagune. Antonio, mein Begleiter, hatte mit seinen 800 mm da schon andere Möglichkeiten.

Das Restaurant in der Dehesa de Abajo

Dem Besucherzentrum ist ein Restaurant angeschlossen, in dem man vorzüglich und günstig essen kann. Ich empfehle den Arroz con Pato, ein Reisgericht mit Wildente.

Mein Fazit

Die Dehesa de Abajo ist zweifelsohne ein lohnendes Ausflugsziel für Naturfotografen. Sie ist leicht zugänglich und man benötigt keine Genehmigung. Wie oben schon erwähnt, sollte man über ein entsprechendes Teleobjektiv verfügen. Wenn die Lagune über einen ausreichenden Wasserstand verfügt, sind dort zahlreiche Flamingos anzutreffen. An den Wochenenden ist die Location ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern. Wer in Ruhe fotografieren möchte, sollte lieber unter der Woche kommen.

Fototouren

Auf Wunsch organisieren wir auch Fototouren in die Region, geleitet von  erfahrenen Fotografen.

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Webseite

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Der Río Tinto

Der Río Tinto (deutsch Roter Fluss) entspringt in der andalusischen Provinz Huelva und mündet in der Nähe der Provinzhauptstadt in den Atlantischen Ozean. Seinen Namen trägt der Fluss zurecht. Denn dieser zieht sich rosarot, zinnoberrot, karminrot, violett, kobaltblau, fast schwarz durch eine einsame, friedliche Berglandschaft. Die Steine und Erde der Ufer sind gelb und orange gefärbt. Stellenweise hat man das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein. Die extravagante Färbung des Wassers hat ihren Ursprung vor allem in der Verwitterung sulfidischer Schwermetallminerale der dort vorkommenden Erzlagerstätten. Natur- und Landschaftsfotografen finden hier Fotomotive vor, wie man sie sonst nur selten vor die Linse bekommt. Vor allem wer gerne Texturen und Details fotografiert, kommt hier voll auf seine Kosten. Da die Sonne bereits sehr hoch stand, als wir dort waren, habe ich mich auf diese konzentriert.

Auf einem alten Abstellgleis stehen eine alte Diesel- und eine Dampflok mit einigen Wagons, die langsam vor sich hin rosten. Diese stellen mit etwas künstlicher Beleuchtung interessante Motive für Nachtfotografie dar.

Die Minen des Río Tinto

Wer schon einmal in der Region ist, sollte auch Parque Minero de Riotinto besuchen. Seit über 3.000 Jahren werden in der Region Bodenschätze abgebaut. Es gibt einen alten Bergbau-Zug, der acht Kilometer den Fluss entlang fährt und man kann eine Mine sowie ein Museum besichtigen.

Abschließender Hinweis

Die Region ist groß und es gibt viele Stellen, die sich für die Fotografie eignen. Diese wechseln aber auch unter Umständen, je nach Wasserstand und ob es vorher geregnet hat. Auf alle Fälle sollte man dort nicht alleine unterwegs sein. An vielen Stellen empfängt man kein Netz mit dem Mobiltelefon und man ist weit ab vom Schuss. Als ich mit meinem Freund Antonio dort war, trafen wir keine Menschenseele.

Geführte Fototour

Hier findet Ihr Informationen zu einer geführten Fototour zum Río Tinto in Begleitung eines ortskundigen Fotografen.

 

Zur Vorbereitung einer anstehenden ganztägigen Exkursion durch das vielfältige Hinterland Málagas brach ich kürzlich nach Antequera auf, dem Herzen Andalusiens, im geographischen – und weiteren – Sinne. Doch der Reihe nach.

Lage! Lage! Lage! Ebenjene, seine Lage, spielte für diesen Ort schon immer die zentrale Rolle, und zwar bereits bevor die Römer sich in Anticaria strategisch günstig nieder- und ihre zahlreichen Spuren hinterließen. Denn bis weit vor die Römerzeit, bis ins dritte vorchristliche Jahrtausend, reichen die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung zurück. Und was für welche.

Ich meine die Dólmenes de Antequera, steinzeitliche Grabanlagen (wegen ihrer hühnenhaften Dimensionen gerne Hühnengräber genannt), die sich hier von Ferne jedoch eher bedeckt halten – und zwar buchstäblich. Schließlich sind die gigantischen Felskonstruktionen der Grabanlagen von ihren zugehörigen und eigens dafür von Menschenhand angelegten sanften Erdhügeln bedeckt (und haben somit auf den ersten Blick wenig hühnenhaftes).

AntequeraDolmenMenga

Dolmen de Menga

Die insgesamt drei voneinander getrennten monumentalen Grabanlagen liegen am nördlichen Ortsrand Antequeras (dort, wo die Stadt in die gleichnamige Ebene, die Vega de Antequera, übergeht), zwei von ihnen dicht beieinander (Dolmen de Menga und Dolmen de Viera) und beim dafür im Jahre 2007 eingerichteten Besucherzentrum, die dritte (Tholos de El Romeral) etwas abseits, doch ebenfalls für Besucher zugänglich. Der recht idyllisch wirkende und ganz bewusst so von mir eingefangene Fotoeindruck täuscht etwas. Denn die hier unmittelbar am Stadtrand beginnende fruchtbare Ebene trägt nicht mehr nur die Früchte traditioneller Agrargebiete, sondern in zunehmendem Maße solche moderner Gewerbegebiete (zu beidem später mehr), so dass die ganze Szenerie bisweilen etwas im Wortsinne anachronistisches hat.

AntequeraDolmenRomeral

Tholos de El Romeral

Trotz ihrer Dimensionen in Zeit und Raum, d.h. ihres Alters von tausenden von Jahren sowie der Ausmaße und schieren Masse einzelner Megalithen von bis zu 180 t (!), mögen die Anlagen möglicherweise wenig spektakulär erscheinen. Oder, um ein berühmtes Heine-Bonmot zu entwenden: Große, kleine – viele Steine – Aussicht keine. (Heine notierte 1824 nach einer nebeligen Besteigung des Brockens im Harz in das Gipfelbuch: Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine.)

Doch sind es sowohl die Dimensionen und Konstruktionsmerkmale dieser Grabanlagen, die sie unter vergleichbaren steinzeitlichen Bauwerken und Kultstätten in ganz Europa hervorheben, als auch ihre besondere ‚Aussicht‘ bzw. Orientierung, die einzigartig sind, und nicht zuletzt die UNESCO im Jahr 2016 dazu veranlassten, sie in die Liste des Kulturerbes der Menschheit aufzunehmen. Denn diese speziellen Grabanlagen orientieren sich – anders als andere vergleichbare – an einer irdischen Landmarke, wenn auch nicht an irgendeiner, sondern an einer recht besonderen und weithin sichtbaren Laune der Natur in Form eines freistehenden pittoresken Felsens in unmittelbarer Nähe: La Cara del Indio (das Antlitz des Indianers) bzw. El Indio de Antequera (der Indianer von Antequera) – oder auch La Peña de los Enamorados (der Felsen der Liebenden).

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Osterinselhafte Aussicht auf La Cara del Indio – La Peña de los Enamorados

Die erste Bezeichnung erschließt sich bei passender Perspektive und Sonneneinstrahlung unmittelbar, da dann dieser Felsen die Kontur eines friedlich liegenden gigantischen Indianergesichtes annimmt. Die zweite ist weniger augenfällig, und entspringt einer Art andalusischen Romeo&Julia-Legende, einer ebenso unmöglichen wie tragischen Liebe (hier zwischen einer musulmanischen Prinzessin und einem christlichen Jüngling), die sich auf der Flucht mit einem gemeinsamen Sprung von ebendiesem Felsen ins Nichts und in den Tod ihren Häschern und ihrer Unmöglichkeit entzog – und sich damit für die Nachwelt legendär verewigte und am Leben hielt.

Dieses Naturmonument ist ebenso wie das des nahegelegenen Naturparks El Torcal de Antequera (siehe Blogbeitrag, und Ausflugsprogramm) gemeinsam mit den Dólmenes 2016 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden, so dass es in und um Antequera aktuell insgesamt fünf Weltkulturerbestätten gibt, drei Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Womit wir wiederum bei der besonderen Lage Antequeras sind. Denn Antequera liegt unmittelbar am Nordrand des gleichnamigen bogenförmigen Kalksteinmassivs, La Cordillera Antequerana bzw. El Arco Calizo Central Malagueño, das sich im Norden der Provinz Málaga auf einer Länge von ca. 50 km von Osten nach Westen erstreckt. Diese Gebirgsformation hält neben dem Torcal de Antequera noch zwei weitere geologische Attraktionen bereit: an ihrem östlichen Ende die Quelle des Flusses Guadalhorce Los Cien Caños, und an ihrem westlichen Ende die durch den Guadalhorce geschaffene spektakuläre Schlucht El Desfiladero de los Gaitanes mit dem Caminito del Rey (siehe Blogbeitrag, und Ausflugsprogramm).

Dieser Gebirgszug bildet eine natürliche Barriere und trennt geographisch und klimatisch die Küstenregionen der Provinz Málaga im Süden von der Hochebene Antequeras im Norden. Der wichtigste Pass, El Puerto de las Pedrizas, liegt nahe Antequera, so dass diese Gegend gleichsam das zentrale Hauptnadelöhr zwischen dem Norden und Süden, dem Landesinnern und der Küste Andalusiens bildet. Ein anderer und vor allem historisch bedeutsamer Pass, El Puerto de los Alazores, verbindet nahe der Cien Caños die Provinzen Málaga und Granada miteinander. Am südlichen Abschnitt dieses Passes warten zwei weitere Sehenswürdigkeiten: das einzigartige und pittoreske Hochtal rund um die Bergdörfer Alfarnate und Alfarnatejo, und die Venta de Alfarnate, die älteste noch existierende Venta (Raststätte) ganz Andalusiens.

Bizarres Bergland rund um Alfarnate und Alfarnatejo - im Hintergrund die Costa del Sol

Bizarres Bergland bei Alfarnate und Alfarnatejo – am Horizont (rechts) die Costa del Sol

Entlang des Nordrandes dieser Barriere, und somit durch die Hochebene Antequeras selbst, fließt der Guadalhorce (bis er abrupt beim Desfiladero de los Gaitanes gen Süden abbiegt, um schließlich bei Málaga ins Mittelmeer zu münden). Das Gebiet rund um Antequera wird entsprechend durch diesen Fluss bewässert und ist daher außerordentlich fruchtbar und seit Menschengedenken Siedlungsgebiet. Der Guadalhorce ist auch die einzige natürliche Entwässerung der Hochebene, so dass sich hier Binnengewässer in Form von Lagunen bilden können. Die größte liegt rund 25 km von Antequera entfernt und ist eine weitere Attraktion dieser Region, die Laguna de Fuente de Piedra mit ihren Flamingos.

Die Hochebene Antequeras erstreckt sich rund 60 km nach Norden bis zur Gebirgsformation Cordillera Subbética im Süden der Provinzen Sevilla und Córdoba. Dort, in den Sierras Subbéticas Cordobesas, befinden sich nicht nur der gleichnamige sehenswerte Naturpark und (bei Iznájar) der größte Stausee Andalusiens, sondern auch sehenswerte Orte wie Baena, Zuheros, Cabra und Priego de Córdoba (siehe Blogbeitrag). Und dort, im Süden der Provinz Córdoba, befindet sich dann auch das tatsächliche Zentrum bzw. Herz Andalusiens – zumindest im streng geographischen Sinne.

Weniger streng geographisch gesehen gilt jedoch Antequera zurecht als das Herz Andalusiens. Nur hier kreuzen sich zentral aus allen vier Himmelsrichtungen und seit ewigen Zeiten die bedeutendsten Verkehrswege Andalusiens. Denn Antequera liegt nahezu mittig zwischen den damals wie heute größten und wichtigsten Städten und Regionen Andalusiens, zwischen Córdoba im Norden und Málaga (und dem Mittelmeer) im Süden, zwischen Granada im Osten und Sevilla (und dem Atlantik) im Westen. Waren es seinerzeit römische und arabische Wege und Festungen, die strategisch günstig und bedeutend lagen, so sind es heute moderne Verkehrstrassen (Autobahnen und Eisenbahnstrecken) und Umschlagplätze (Gewerbegebiete und Logistikzentren) – mit der oben erwähnten anachronistischen Szenerie.

Aus der zentralen strategischen Lage und Bedeutung Antequeras im Herzen Andalusiens ergab sich auch ihre damalige militärische und somit politische Bedeutung für ganz Andalusien. Aus heutiger historischer Sicht war Antequera nach Navas de Tolosa (bei Jaén) Schauplatz eines weiteren Schlüsselereignisses in der Auseinandersetzung um die christliche bzw. die muslimische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel, die schließlich mit der kampflosen Übergabe Granadas 1492 ihr Ende zugunsten der christlichen Könige (Los Reyes Católicos) fand.

Antequera besaß entsprechend ihrer strategischen Bedeutung eine mächtige und mehrfach verstärkte Festungsanlage (Alcazaba), von der aus sich die Stadt und das umliegende Gebiet – eben das Herz Andalusiens – wirkungsvoll kontrollieren ließen. Gut zwei Jahrhunderte lang scheiterten alle christlichen Eroberungsversuche und war Antequera mit ihrer Festung ein unüberwindbares Hindernis für das weitere Vordringen des christlichen Herrschaftsbereiches.

Die seinerzeit unbezwingbare Südseite der Alcazaba (Festung) Antequeras

Die seinerzeit unbezwingbare Südseite der Alcazaba (Festung) Antequeras

Im Jahr 1410, und damit fast genau 200 Jahre nach der für das Kalifat der Almohaden in Al-Andalus verheerenden Schlacht bei Navas de Tolosa, die den christlichen Reichen Spaniens den Zugang zum Kerngebiet von Al-Andalus (dem heutigen Andalusien) sicherte, gelang dem Heer unter Ferdinand I. von Aragón die Eroberung Antequeras. Die Dimension dieses Ereignisses ist kaum zu überschätzen. Denn in der Beseitigung dieses bedeutenden Hindernisses auf dem Weg nach Granada lag gleichsam der Schlüssel für den Fall des dortigen Nasriden-Reiches nur 82 Jahre später – und damit für das Ende der fast 800-jährigen arabisch-maurischen Herrschaft bzw. für den endgültigen Sieg der christlichen über die muslimische Herrschaft in Spanien.

Plaza del Carmen an der (bezwingbaren) Nordseite der Alcazaba

Die (bezwingbare) Nordseite der Alcazaba mit einem Denkmal für die Mauren an der Plaza del Carmen

An der heutigen Plaza del Carmen, dem Ort des – buchstäblich – entscheidenden Durchbruchs durch die einzige Schwachstelle der bis dahin unbezwingbaren Festungsanlage Antequeras, steht heute ein Denkmal für die maurischen Bewohner der Stadt, die nach der Eroberung nach Granada flüchteten (trotz der insbesondere touristischen und damit wirtschaftlichen Bedeutung des Kulturerbes von Al-Andalus sind solche eigens dafür errichtete Denkmäler eher selten).

Die Dimension des Ereignisses der Eroberung Antequeras ist jenseits der nach wie vor imposanten Alcazaba im historischen Teil der Stadt nahezu allgegenwärtig. Schließlich setzten sich die nunmehr herrschenden christlichen und weltlichen Autoritäten recht augenfällig zahlreiche Denkmäler. Antequera ist nicht ohne Grund berühmt für ihre (selbst für andalusische Verhältnisse) vielen Kirchenbauten und für ihre vielen Adelspaläste (später auch Bürgerpaläste) aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, der Epoche der Renaissance und des Barock in Spanien. Der bedeutendste Kirchenbau Antequeras, die Real Colegiata de Santa María la Mayor, wurde zwischen 1514 und 1550 im Stile der Renaissance (mit gotischen Elementen) errichtet, prominent und entsprechend symbolträchtig unmittelbar neben der Alcazaba.

Blick durch den Arco de los Gigantes auf die Real Colegiata

Blick durch den Arco de los Gigantes auf die Real Colegiata de Santa María direkt neben der Alcazaba

Die zentrale Lage Antequeras im Herzen Andalusiens spielte auch in der jüngeren Geschichte eine Rolle, nicht nur wie bereits erwähnt als wirtschaftlicher Standort, sondern auch als politischer Schauplatz. Im Zuge der europaweiten Bewegungen des Nationalismus im 19. Jahrhundert galt Antequera mit seiner (im doppelten Sinne) vermittelnden Lage zwischen den historischen und politischen Schwergewichten Andalusiens, sowie zwischen dem östlichen und dem westlichen Andalusien, als der geeignete und zentrale Ort, auf den sich alle zur Begründung einer nationalen andalusischen Identität verständigen können sollten. Zumindest wurde 1883 in Antequera eine verfassungsgebende Versammlung einberufen und eine andalusische Verfassung verabschiedet (die sog. Verfassung von Antequera, La Constitución de Antequera), die Andalusien als Staat innerhalb eines föderalen spanischen Staates begründen sollte. Fast ein Jahrhundert später, 1978 und unmittelbar nach dem Ende der Franco-Diktatur, stand Antequera erneut im Mittelpunkt der politischen Bewegungen in Andalusien. Zum einen schlossen die politischen Parteien Andalusiens in Antequera einen Pakt (El Pacto de Antequera), um auf dem schnellsten Wege für Andalusien den Status als Comunidad Autónoma (entspricht etwa einem deutschen Bundesland) zu erlangen. Zum anderen wurde Antequera als Hauptstadt dieses autonomen Andalusiens vorgeschlagen (auch wenn die Hauptstadt Andalusiens schließlich doch Sevilla wurde).

Nachfolgend einige Kontakt-Informationen:

Besucherzentrum Conjunto Arqueológico Dólmenes de Antequera
Webseite

Alcazaba und Real Colegiata de Santa María
Webseite (EN)

Turismusbüro Antequera
Webseite

Hotel und Restaurant Castilla
C/ Infante Don Fernando, 40 , 29200 Antequera
+34 952 84 30 90
Webseite (EN)

Restaurant Venta de Alfarnate
Antigua Ctra. Málaga-Granada Km.513 S/N, CP 29194
+34 952 75 92 88
Webseite (ES)

Bahnhos Ronda

Mr. Henderson´s Railway

Es ist schon einige Zeit her, dass ich zum ersten Mal von der Bahnlinie hörte, welche die schönsten Andalusiens sein soll: die Bahnlinie von Algeciras nach Ronda, mitten durch die Serranía de Ronda. Sie ist auch bekannt unter dem Namen Mr. Henderson´s Railway. Vordenker dieser Bahnstrecke war der britische Ingenieur John Morrison, der mit Unterstützung des wohlhabenden Finanziers Sir Alexander Henderson das Projekt Ende des 19. Jahrhunderts realisiert hatte.

Zu dieser Zeit (Mitte/Ende 19. Jahrhundert) waren das andalusische Hinterland und speziell Ronda – vor allem bei den sogenannten Romantischen Reisenden – ein angesagtes Reiseziel. Allerdings konnte man seinerzeit die Region nur per Kutsche bereisen. Dies war nicht ganz ungefährlich, da die Bandoleros in der Serranía de Ronda ihr Unwesen trieben und kaum einen Reisenden unbehelligt seines Weges ziehen ließen.

Damit nun die in Gibraltar stationierten Garnisionsoffiziere samt Familien keinen „Inselkoller“ bekamen, musste eine Lösung her. Und so entstand die Idee, eine Bahnlinie zu bauen, die von Algeciras über Ronda nach Bobadilla führt, wo Sie an die Linie nach Córdoba und Madrid und somit an das restliche Europa anschließt. Und um das Ganze touristisch noch attraktiver zu machen, hat man sowohl in Algeciras (Hotel Reina Cristina) als auch in Ronda (Hotel Reina Victoria) entsprechende Hotels gebaut.

Durch die Dörfer der Serranía de Ronda

So habe ich mich also kürzlich aufgemacht, diese Strecke zu erkunden. Die historische Strecke ist noch die selbe, nur die Züge sind heute moderne, klimatisierte Mittel- und Langstreckenzüge. Eingestiegen bin ich nicht in Algeciras, sondern in San Roque – La Línea Estación, zwei Stationen Henderson Trainweiter Richtung Ronda. Einmal, weil ich vermutete, dass das erste Teilstück der Strecke eher unattraktiv sei, aber noch wichtiger, weil ich bequem und kostenlos parken wollte, was dort direkt vor dem Bahnhof geht. Mit dem Mittelstrecken-Zug dauert die Fahrt von San Roque-La Línea nach Ronda etwas über 1,5 Std.

Ich habe den Zug um 12:00 Uhr genommen und bin direkt mit dem nächsten wieder zurück gefahren. Der Aufenthalt hat genau für ein Mittagessen in Ronda gereicht. Wer sich die Stadt anschauen möchte, hat genügend Zeit, wenn er/sie den Zug zurück um 18:58 oder um 19:49 Uhr nimmt.

Kurz nach San Roque-La Línea kommt Almoraima und weiter geht es nach Jimena Estación. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf das historische Städtchen Jimena de la Frontera, welches inmitten des Naturparks Los Alcornocales (Korkeichenwälder) liegt.

Von Jimena geht es weiter nach San Pablo de Buceite. Direkt am Bahnhof befindet sich das durchaus empfehlenswerte Restaurant „La Estación“, in dem man gute lokale Gerichte serviert.

Weiter führt uns die Fahrt durch das Tal des Río Guadiaro nach El Colmenar mit der „Estación de Gaucín“. Das weiße Dorf Gaucín selbst liegt auf dem Bergrücken der Sierra del Hacho und wird auch „Balcón de la Serranía“ genannt. Von El Colmenar aus gibt es einen interessanten Wanderweg nach Cortes de la Frontera, nächste Station unserer Strecke, entlang der Geierschlucht Cañon de las Buitreras (ich werde berichten, sowie ich die Wanderung gemacht habe).

Kurze Zeit später machen wir dann Halt an der blumengeschmückten Station von Jimera de Líbar. Von hier aus startet ein 9 Kilometer langer Wanderweg nach Benaoján, unserer nächsten Station.

Benaoján ist wohl das berühmteste Städtchen auf dieser Bahnlinie, bekannt für seine exzellenten Wurst- und Schinkenprodukte. Hier findet man gute Hotels und Restaurants. Unweit von Benaoján liegt das Dorf Montejaque in der Sierra de Grazalema. Ebenfalls sehenswert ist die Cueva del Gato (Katzenhöhle) bei Benaoján.

Unser letzter Halt vor Ronda ist Arriate. Die originale Bahnstation aus der Zeit der Gründung beherbergt heute das Restaurant „El Muelle de Arriate„, bekannt für seine exzellente regionale Küche. Kurze Zeit später läuft unser Zug auch schon in Ronda ein.

Mein Fazit

Wir schreiben den 18. August (Tag meiner Reise), also Hochsommer, und von daher gibt es sicherlich Jahreszeiten, in denen die Natur spektakulärer aussieht. Aber mir hat der Ausflug sehr gut gefallen. Im Nachhinein habe ich mich nur geärgert, dass ich nicht an jeder Station kurz ausgestiegen bin, um zu fotografieren. Aber die Bahnfahrt hat mich überzeugt und wir werden sie in unser Ausflugsprogramm mit aufnehmen.

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Castillo de Castellar

Hier also die angekündigte Fortsetzung der Geschichte aus meinem letzten Artikel über Castellar de la Frontera und sein Castillo de Castellar. Denn neulich war ich in der Gegend unterwegs. Von der Küste aus hinauf zum Hausberg Esteponas, dem Pico Reales, und die Rückseite hinunter ins Künstlerdorf Genalguacil, so die Idee. Es blies jedoch recht stürmisch und kontinuierlich vom Meer landeinwärts. Bei sonst sonnigem Himmel bildeten sich am Gipfel des Pico Reales in fast 1.500 m Höhe permanent und im fliegenden Wechsel Wolken. Der Berg trug also Sturmfrisur. Ich ließ ihn daher links (bzw. rechts) liegen. Und beschloss stattdessen beim ums Eck liegenden Castellar in der Provinz Cádiz vorbeizuschauen. Schließlich gab’s da ja noch etwas zu erzählen.

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Die Bergfeste – von fern majestätisch …

Selbstverständlich war ich seit dem letzten Bericht schon einige Male wieder dort gewesen. Nur hatte ich jedesmal anderes im Sinn, und war immer nur ‚auf einen kurzen Sprung‘ dort. Diesmal also mit der nötigen Zeit, und wieder zum ‚Mitschreiben‘.

Was also gibt es Neues im alten Castillo de Castellar? Nichts! Alles wie gehabt – und aus dem Bilderbuch. Die letzten Kilometer dorthin durch den Naturpark Los Alcornocales, verwunschen. Die mittelalterliche Burgfeste samt Gäßchen, pittoresk. Das Panorama, ohne Worte. Der altrömische Wanderpfad zur Venta am Fluß, wildromantisch wie eh und je. Friedlich dösende Katzen im Geäst, auch das!

Das war’s? Alles schon gesehen, und bereits als sehenswürdigst befunden und beschrieben. Zu erzählen gibt’s also nur, dass es nichts neues zu erzählen gibt?

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… von innen weißes Dorf mit Aussicht …

Fast. Wie war das mit den Plänen für die Burg? Für einen Parador ebendort? Und mit den Plänen für die Konkursmasse aus dem seinerzeitig gigantischen Wirtschafts- und Politkrimi, der gigantischen Finca La Almoraima? Für die es keine bzw. viele Pläne gab?

2009 hatte sich hier wie dort etwas getan, und aufgetan, nämlich jeweils ein Hotel. Und jeweils nach entsprechend verschlungenen Klärungen der Kompetenzen und Eigentumsrechte zwischen den beteiligten staatlichen Ebenen: die Provinz Cádiz, die Autonome Region Andalusien und das Königreich Spanien.

Kurzum: Die Provinz Cádiz selbst betreibt mittlerweile zusätzlich zu den schon vorhandenen Casas Rurales auch ein Hotel direkt in der Burg. Der spanische Staat kam hier also mit seiner Parador-Hotelkette nicht zum Zuge. Statt eines weiteren Aushängeschildes ganz Spaniens in Form eines neuen Paradores, nun also ’nur‘ ein weiteres Aushängeschild der Provinz Cádiz und ihrer eigenen Hotelkette TUGASA – und entsprechend eine ‚Nummer kleiner‘, doch immerhin gleichsam als ‚paradorwürdig‘ geadelt.

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… und dösenden Katzen im Geäst.

Paradorwürdig ist auch die Lage und Anlage des Hotels La Almoraima. Mehr als das. Schließlich bieten sich hier tatsächlich dem spanischen Staat alle Möglichkeiten, und damit theoretisch auch seiner Parador-Kette. Denn als Teil der Konkursmasse im Zuge der damaligen Verstaatlichung des bankrottgegangenen Konglomerats RUMASA ist seitdem weiterhin der spanische Staat Eigentümer des riesigen Anwesens Finca La Almoraima. Alle Pläne der Regionalregierung Andalusiens, zumindest mit von der Partie bei diesem Prachtgrundstück und seiner Nutzung zu sein, liefen ins Leere.

Das Hotel La Almoraima selbst befindet sich in einer restaurierten ehemaligen Klosteranlage aus dem 17. Jahrhundert, ist entsprechend exklusiv und wird vielleicht doch noch eines Tages – ein Parador. Ich werde berichten.

Auf dem Weg zurück war übrigens die dichte Wolkenfahne rund um den Gipfel des Pico Reales verschwunden. Also kurzentschlossen abgebogen und dem Gipfel entgegen. Der Wind blies weiterhin, und weiterhin landeinwärts. Die Sturmfrisur war also nur kurzzeitg weggeblasen und legte sich während meiner Fahrt nach oben wieder neu und dauerhaft um den Gipfel. Was soll’s. Weiter hinauf, und statt des spektakulären Aus- und Überblicks aus gut 1.5 km Höhe (wie aus einem Flieger beim gemächlichen Sinkflug) dann wenigstens das sausende Wolkenspektakel aus nächster und nebliger Nähe.

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Wolkenschauspiel – am Gipfel des Pico Reales …

Und, sieh an, auch dort, soweit ich tatsächlich sehen konnte, auch alles (fast) wie immer: Beeindruckende einzigartige Natur und Berglandschaft, einige wenige Picknick-Ausflügler an den Tischen im Freien und in der Berghütte (ein Teil der Hütte wird jetzt sporadisch als Bar/Restaurant betrieben), vereinzelte Wanderer auf den Gipfelpfaden, eine Familie iberischer Steinböcke beim gemütlichen Äsen zwischen den Bäumen und Felsen und Wolken (daher kein Foto)…

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… und auf dem Weg dorthin.

Also, auf ein Neues, demnächst, ohne Wolken.

Nachfolgend die Adressen und Rufnummern der erwähnten beiden Hotels und der Venta am Fluss (Bar/Restaurant mit Wildspezialitäten):

TUGASA Hotel Castillo de Castellar
Calle del Rosario, 3
11350 Castellar de la Frontera
+34
Webseite

Hotel La Almoraima


+34 956 69 30 02
Webseite

Restaurant Venta La Jarandilla
Acceso al Castillo de Castellar
+34 956 64 70 30